Der Titisee hat einen Ruf, der ihm nicht immer gerecht wird. Klar, im Sommer drängeln sich Reisebusse und Tagesausflügler auf der Promenade – das gehört dazu. Aber der Herbst spielt in einer anderen Liga. Wenn der Nebel morgens noch knapp über dem Wasser hängt, die Buchenblätter sich goldgelb färben und die Hauptsaison sich dem Ende neigt, wird der Titisee zu einem Ort, der wirklich atmet. Von uns im Langenordnachtal aus sind es keine zehn Kilometer bis zum Bahnhof Titisee – ein idealer Ausflug, den man mit der KONUS-Gästekarte sogar kostenlos per Bus oder Bahn angehen kann.

Ankommen und orientieren: So starten wir am Titisee

Wer mit dem Bus anreist, steigt direkt am Bahnhof Titisee aus und steht schon fast am Ufer. Von hier aus führt die Promenade in beide Richtungen um den See – und genau das ist der erste Geheimtipp: Geht nicht gleich mit dem Strom Richtung Bootsverleih und Souvenirmeile, sondern biegt links ab, Richtung Nordostseite des Sees. Dort, wo die Uferböschung etwas wilder bleibt, das Schilf raschelt und die Enten ihre Ruhe haben, verändert sich die Stimmung merklich. Herbstmorgens liegt hier oft noch Nebel – und das Licht, das dann durch die Fichten bricht, ist schlicht wunderschön.

Die Promenade selbst ist gut zwei Kilometer lang und in einer guten halben Stunde zu umrunden, wenn man zügig geht. Wir empfehlen: Nehmt euch Zeit. Die Bänke auf der Südseite mit Blick auf den Feldberg sind im September besonders schön, wenn das Laub langsam kippt.

Bootsfahrt: Wann es sich wirklich lohnt

Der Bootsverleih am Titisee ist vielen bekannt – Tretboote, Ruderboote, kleine Elektroboote. Was viele nicht wissen: Im frühen Herbst lichten sich die Warteschlangen spürbar, und auf dem Wasser ist es an einem klaren Septembertag schlicht ein Genuss. Die Sicht auf den umliegenden Schwarzwaldkamm ist von der Seemitte aus unverbaut, der Feldberg liegt im Blick, und wenn der Wind nachmittags einschläft, liegt der See wie ein Spiegel.

Ein paar praktische Hinweise aus eigener Erfahrung:

  • Vor 11 Uhr auf dem Wasser sein – dann ist es noch ruhig und das Licht stimmt
  • Ruderboote sind für Kinder und Erwachsene die beste Wahl; Tretboote sind lustiger, aber langsamer
  • Im Oktober schließt der Verleih früher – am besten vorher die aktuellen Öffnungszeiten prüfen
  • Eine Jacke mitnehmen: Auf dem Wasser ist es auch an warmen Herbsttagen frischer als gedacht

Für unsere Gäste mit der KONUS-Gästekarte gilt: Die Anreise per Bahn (Linie Seebrugg–Titisee) ist inklusive – das spart Parkplatzsuche und ist ehrlich gesagt auch bequemer.

Geheimtipps jenseits der Promenade

Die Promenade selbst ist nett, aber wer den Titisee nur von dort kennt, hat ihn noch nicht wirklich gesehen. Hier ein paar Tipps, die wir gerne an unsere Gäste weitergeben:

Der Waldweg Richtung Titisee-Ort: Vom nördlichen Ufer führt ein schmaler Pfad durch lichten Mischwald – kaum besucht, kaum ausgeschildert. Im Herbst liegt das Laub knöcheltief, und man hat das Gefühl, den ganzen See für sich allein zu haben.

Kaffee abseits der Hauptstraße: Auf der Promenade reihen sich Cafés aneinander – alle ähnlich. Wer lieber in Ruhe sitzt, findet in den Nebenstraßen von Titisee-Neustadt (ca. 2 km entfernt, gut zu Fuß) kleinere Konditoreien mit echtem Schwarzwälder Ambiente und ohne Touristen-Aufschlag.

Der Abend am See: Falls ihr überlegt, länger zu bleiben – am frühen Abend, wenn die Tagesausflügler abgereist sind, gehört die Promenade fast euch allein. Im September geht die Sonne gegen halb sieben unter, und die letzten Lichter auf dem Wasser sind ein Erlebnis, das wir wärmstens empfehlen können.

Rückkehr ins Langenordnachtal

Nach einem vollen Tag am See ist die Rückkehr ins Tal das Schönste: Die Straße durch das Langenordnachtal liegt abends oft schon im Schatten der Hänge, während die Kuppen noch in der Abendsonne leuchten. Bei uns am Hof hört man dann das Wiehern der Pferde und sieht, wie die Rinder langsam in den Stall ziehen – ein Kontrast zur Seepromenade, der nicht größer sein könnte, und genau deshalb so schön.

Montags ab 18 Uhr haben wir übrigens unsere Wirtschaft offen – wer nach dem Ausflug noch einkehren möchte, ist herzlich willkommen. Ein Schwarzwälder Vesperteller nach einem langen Tag am See – das passt.